In einer anderen Welt – das Innenleben der Weizenmühle Knauthain 2004

Mögen Sie „Lost Places"? Dann wäre die Weizenmühle Knauthain in den Jahren 2003/2004 ein lohnenswertes Ziel gewesen. Begleiten Sie uns auf eine Reise ins Innenleben des Gebäudes vor der Sanierung.

Von Irrgärten und Maschinenwelten

Hätten Sie's gekauft? Während des fast 20jährigen Mühlenstillstands waren Katzen, Turmfalken, Mäuse und Tauben die Bewohner des Gebäudes. Und ein Nachbar passte mit Baseball-Schläger auf, dass weder Vandalen noch Feuerteufel ihr Unwesen in der Weizenmühle Knauthain treiben konnten, wofür wir ihm noch heute dankbar sind.

So entwickelte und erhielt sich im Inneren der Mühle eine Welt, die das Halbdunkel des Vergessens über einen eins sehr lebendigen, aktiven und produktiven Ort gelegt hat. Schummerlicht, Staub, hier ein Flattern, dort ein Huschen – man betrat diesen Ort mit einer Mischung aus Ehrfurcht, Neugier und Entdeckermut.

Aber wohin konnte hier eine Reise führen? War es nur ein Abenteuerspielplatz für Erwachsene – oder doch mehr?

Machen Sie sich selbst ein Bild. Wären Sie durch das Loch im Zaun und die lose Tür im Schützgebäude mit auf Erkundngstour gekommen oder lieber auf Nummer sicher gegangen (und ausgestiegen) – oder hätte Sie eine Reise mit ungewissem Ausgang so gereizt, dass Sie an Bord gekommen wären?

Schützgebäude
Im Schützgebäude war die urspüngliche vom Mühlbach gespeiste Antriebstechnik untergebracht – eine für ihre Zeit moderne Turbine, kein Mühlrad. Doch bereits in den 1910er Jahren wurde diese durch einen elektrischen Antrieb ersetzt, so dass der Anbau über den Graben keine technische Bedeutung mehr für die Mühle hatte. Leider war der eingeschossige Fachwerkbau zum Zeitpunkt der Sanierung zu stark beschädigt, um erhalten zu werden.
Im erdgeschoss…

…drang wenig Licht durch die verschmutzten Fenster. Und es wurde prompt gebremst von einer langen Reihe leicht angerosteter Transmissionsräder auf einer langen Welle. Auf dieser feuchten Ebene schlug das Herz der Mühle, ihr elektrischer Antrieb. Von hier aus wurde jeder Rüttler, jedes Mahlwerk und jedes bewegliche Teil in Gang gesetzt.

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Im 2. und 3.OG...

… sah es etwas freundlicher aus. In einem abgeteilten Bereich standen noch vier (von ursprünglich 5 oder 6) Mahlmaschinen aus dem frühen 20. Jahrhundert. Ein Sackrutsche beförderte die Mehlsäcke entlang eines offenen Schachts, der sich durch alle Etagen des Gebäudes zog, nach unten zum Versand. Das mit einem Betonmantel geschützte gusseiserne Tragwerk zog sich in zwei Reihen längs durch das Gebäude und trug darauf ruhende, massive Querbalken aus Holz. Die Decke selbst bestand aus massiven, ca. 4 cm starken Holzdielen.

4. OG: das Labyrinth aus Holz und Röhren

Im Dachgeschoss sah die Mühlenwelt erneut ganz anders aus. Hier fehlten die verkleideten gusseisernen Tröger und Säulen, stattdessen leiteten massive Holzständer und -balken den Blick in bis zu 5 Meter Höhe unter das Mühlendach. Vergleichsweise kleine Fenster erhellten die Etage, vollgestellt mit hölzernen Silos und massiven, ebenfalls vowiegend aus Holz bestehenden quaderförmigen Maschinen. Ein Gewirr aus grünen Röhren durchzog die den Raum – ein industrielle Irrgarten.

Bis hierher unters Dach wurde aus dem benachbarten Speichergebäude der Weizen befördert. Dann erledigten die „Rüttelmaschinen" hier den ersten Schritt des Mahlprozeses: die Reinigung des Getreides vor dem Mahlen, die „Schwarzreinigung". Bei ihr werden Grobgut (Strohhalme, Ährenreste oder Steine) sowie Feingut (Sand, Staub oder kleine Unkrautsamen) von den Weizenkörnern entfernt. Andere Rüttelmaschinen kommen für den dritten Schritt (nach dem Mahlprozess) zum Einsatz, der Sortierung der Mahlprodukte (Mehl, Schrot, Kleie).  

Turm: Über den Dächern von Knauthain

Im Gegensatz zur heutigen Situation war der Turm schwer – nur über eine steile Leiter – zugänglich. Und machte auch sonst einen eher traurigen Eindruck. Es schien, als wäre seine einzige Funktion die Repräsentation nach außen sowie der Platz für die weithin sichtbare Turmuhr gewesen zu sein. Deren Uhrwerk jedoch war in den langen Jahren des Leerstands gestohlen worden. Und zu den einzigen regelmäßigen Besuchern des Turms wurden Tauben, deren Hinterlasenschaften schon rein olfaktorisch dazu beitrugen, dass die Atmosphäre im Turm ganz das Gegenteil des Weitblicks, vermittelte, der sich auf dem vom Turm aus zugängichen Dach bot.

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