Arbeiten und Wohnen im Industriedenkmal – meine ganz persönliche Loft-Geschichte
Meine Loftgeschichte beginnt im Jahr 1985, also vor gut vierzig Jahren. Seitdem verbringe ich einen wesentlichen Teil meiner Lebenszeit in Lofts. Ich wohne im Industriedenkmal und habe in umgebauten Fabriketagen, Lagerhäusern, Druck- und Verlagssitzen, ja, sogar einem ehemaligen Kraftwerk gearbeitet.
Bis heute habe ich für mich privat oder eines meiner Unternehmen keinen Mietvertrag für ein Gebäude oder ein Fläche unterschrieben, die nach dem ersten Weltkrieg errichtet wurde (mit einer Ausnahme: die Betonmanufaktur Betoniu arbeitet in einer Neubauhalle - produzierende Betriebe haben halt andere Anforderungen).
Leben und Arbeiten im Denkmal bereichert, und Arbeiten und Wohnen im Industriedenkmal inspiriert (mich) ganz besonders.
Denkmäler sind per se keine seelenlosen, uniformen, zweckoptimierten Kästen, sondern sie wurden zumeist bereits mit dem Anspruch errichtet, Generationen zu überdauern.
Das schafft eine ganz besondere Atmosphäre. Große Raumhöhen geben Luft zum Atmen (by the way und wussten Sie schon: Der Begriff Loft stammt vom englischen loft für „Dachboden“ oder „Speicher“, was etymologisch auf das altnordische lopt („Luft“, „Himmel“, „oberer Raum“) zurückgeht. Es bezeichnet ursprünglich den offenen Bereich unter einem Dach oder in oberen Fabriketagen).
Zudem zeichnen Denkmäler meist interessante architektonische Details und Materialien aus. Beim Arbeiten und Wohnen im Industriedenkmal sind dies oft Artefakte, die aus der ehemaligen industriellen Nutzung resultieren - Stahltüren, Antriebswellen, Schächte oder Träger und andere Einbauten.
Ferner spürt man auf Schritt und Tritt die ganz besondere Materialpräsenz, die im Industriedenkmal die optische und haptische Verbindung zu dieser Lebens-und Arbeitswelt auf ein ganz besonderes Level hebt. Leben im Industriedenkmal ist nicht nur Flächennutzung - es wird zusätzlich geprägt und angeregt durch den inspirierenden Rahmen, den das Gebäude schafft.
Leider hatten viele Sanierungen der letzten Jahrzehnte eher das Außen - die Fassade - im Blick. Dort wurde der Bestand sorgsam aufgearbeitet und ertüchtigt, während innen möglichst „Neubaustandard“ geschaffen werden sollte. Ich will das niemandem zum Vorwurf machen - aber aus meiner Sicht wurde in solchen Immobilien eine Gestaltungsdimension verschenkt.
Dass es auch anders geht, beweisen seit Jahrzehnten die Leipziger Objekte der MIB, die mit Stelzenhaus, Spinnerei und aktuell der Konsumzentrale auch in Innenbereichen den Wert der Substanz erhalten.
Genug der Philosophie - werfen wir einen Blick zurück auf meine ganz persönliche Loftgeschichte, auf über 40 Jahre Arbeiten und Wohnen im Industriedenkmal. Die Bild- und Hintergrundrecherche gestaltet sich ganz einfach - Wikipedia reicht 😉 – und falls das Bild mal nicht aus Wikipedia stammt, dann aufgrund fehlender Urheberrechte…)
Teil 1 meines Loftlebens: Arbeiten im Industriedenkmal
1984 wurde bekanntlich nicht wie von George Orwell in seinem gleichnamigen Roman beschrieben. Sondern 1984 wurde ganz anders – dank des Apple Macintosh und des bahnbrechenden Werbespots, den Apple zu seinem Marktdebüt ausstrahlte. Wie viel Wahrheitsgehalt in dieser These steckte, mag jeder für sich selbst beurteilen – für mich gilt es (mit etwas Zeitverzug) allemal.
1985 gründete ich zwei Unternehmen – den MACup Verlag (mit Peter Drawert und Rainer Pfennig) und die Werbeagentur Umbruch Konzepte und Kampagnen (mit Uwe Ochsler). Die ersten Aktivitäten fanden zwar nicht in Garagen, sondern Wohnungen statt – sehr schnell ein unhaltbarer Zustand. Während MACup zunächst im Erdgeschoss einer Uhlenhorster Gründerzeitvilla domizilierte, bezog Umbruch – Sie erraten es – ein Loft.
Zigarrenfabrik von Eicken, Hamburg-Hoheluft

Arbeiten im Industriedenkmal 1: Zigarrenfabrik von Eicken
Gemeinsam mit meinem Schulfreund, dem Art-director und Künstler Uwe Ochsler, hatte ich die Agentur gegründet. Auf der Suche nach einem besonderen Standort fiel unsere Wahl auf die alte Zigarrenfabrik von Eicken, in der wir zu den Erstmietern gehörten. Innen strahlend weiße Wände (recht sinnvoll angesichts der eher kleinen Fensterflächen im 4.OG), die Fläche aufgeteilt in ein paar kleinere und zwei größere Räume.
Learnings:
- 1Liegt die Fläche recht weit oben und wird nur durch einen fast originalen Lastenaufzug erschlossen, mach vor Abschluss des Mietvertrags ein Gelassenheitstraining.
- 2Schnell wachsende Unternehmen kommen mit herkömmlichen, geschlossenen Grundrissen mit fester Büroeinteilung auf Dauer nicht gut zurecht – mehr Offenheit im Grundriss bedeutet mehr Offenheit für Wachstum und Veränderung.
Transporthaus (Zippelhaus)

Arbeiten im Industriedenkmal 2 Transporthaus Zippelhaus 4
Nun – so schmuck wie auf dem Foto oben sah das Transporthaus nicht aus, als der MACup Verlag (der zuvor am alten Standort aufgrund neuer Publikationen wie der PAGE aus allen Nähten platze) in dieses alte Kontorhaus umzog – das Transporthaus Zippelhaus 4. Im Gegenteil: die guten Zeiten der bei Bezug unsanierten Fläche, die auch zuvor als Büro gedient hatte, lagen offensichtlich Jahrzehnte zurück. Aber wir waren jung, und die Fläche war billig...
Ein paar Jahre nach unserem Auszug wurde des Haus saniert und erhielt 1994 den 1. Preis für die am besten sanierte Fassade der Stadt. Geht doch!
Learnings:
- 1Ziehst Du in eine unsanierte und irgendwie verranzte Fläche, investiere ein bisschen in Kreativität, Zeit, Farbe und Kunst, vielleicht auch günstige aber coole Möbel, um diese Fläche zu Deiner und zu einer anregenden zu machen. Sonst zieht Dich der allgegenwärtige Muff eher runter.
- 2Gerade alte Kontorhäuser liegen meist in dicht bebauten innerstädtischen Flächen. Müssen viele Kollegen die Arbeit per PKW erreichen, kann Parkraumsuche oder Anmietung zu einem teuren Vergügen werden.
Altonaer Kaispeicher (Große Elbstr.)

Arbeiten im Industriedenkmal 3: Altonaer Kaispeicher
Ende der 80er Jahre, pünktlich zum 800. Hafengeburtstag, der von den Balkonen aus in bester Lage gefeiert werden sollte, ergab sich die Gelegenheit, beide Unternehmen unter einem Dach zusammenzuführen. Der Alte Kaispeicher in Hamburg – ebenfalls noch unsaniert, aber in gutem, bezugsfertigem Zustand – bot im 2. OG nicht nur Balkone und einen einzigartigen Blick auf die Köhlbrandtbrücke, sondern auch auf 1000 m2 Fläche genug Platz für die weitere Entwicklung beider Firmen. Bei Sturmflut musste man sich entscheiden: Bleibe ich noch etwas im Büro und warte, bis das Wasser wieder weg ist? Flüchte ich in höhergelegene Bereiche (zumindest sollte man das Auto dorthin bringen)? Und im Treppenhaus erinnerte die Nase regelmäßig daran, dass im Erdgeschoss nach wie (Fisch-)Salate gemixt und abgefüllt wurden.
Die nicht eben geringe Gebäudetiefe, üblicherweise eher ein Manko, hatte zu recht großen Räumen geführt. So konnten ganze Teams bzw. Funktionsbereiche zusammengefasst werden. Die großzügigen Flure boten Platz für Besprechungsecken und kurze Pausen.
Ende 1991 fusionierte die Werbeagentur mit einer anderen und zog aus – recht günstig für den MACup Verlag, der im Zuge seiner Expansion und weiterer neuer Publikationen die frei werdenden Flächen dringend brauchte.
Learnings:
- 1Für schnell wachsende Unternehmen sind Loftflächen, die eher großzügig unterteilt sind, weit günstiger als die Aufteilung in Minibüros.
- 2Keine Angst vor großen Erschließungsflächen! Während "moderne" Standardflure oft nur für das gut sind, wofür sie geplant sind – dem Zugang zu einzelnen Büros – ermöglichen große Flurbereiche oft die Chance eigenständiger Nutzung, z.B. für Pausen, Telefon- oder Besprechungsecken.
- 3Balkone sind geil.
Kraftwerk Leverkusenstraße, Hamburg-Bahrenfeld

Arbeiten im Industriedenkmal 4 Kraftwerk Leverkusenstraße
MACup und die Tochterfima MoreMedia wuchsen Mitte der 90er auch aus den Räumen in der Großen Elbstraße heraus. Parrallel wurde die Gesellschafterstruktur den Gegebenheiten angepasst – der Süddeutsche Verlag übernahm über seine "Fachinformationen" die Mehrheit am Verlag. Erneut begann die Suche nach passenden Flächen. Längere Zeit schien es, als würde das neu errichtete Lofthaus am Elbberg von Hadi Teherani zum neuen Standort des Verlages. Doch mitten in die Verhandlungen "platzte" ein Angebot für historische Loftflächen, die auf mich eine noch größere Faszination ausübten, als die ohne Zweifel schicke Gestaltung des heutigen Star-Architekten: das Kraftwerk Leverkusenstraße in Hamburg Bahrenfeld.
Nachdem das Kraftwerk bereits in den 1950er Jahren stillgelegt worden war, lag das Gelände lange brach. Erst im Zuge der Revitalisierung des Industriestandorts Bahrenfeld rückte das Gebäude in den Fokus von Investoren.
- 1994–1996: In diesem Zeitraum wurde das Gebäude als industrielles Denkmal gesichert und die grundlegende Sanierung der massiven Bausubstanz sowie die Entkernung der Maschinenhalle vorangetrieben.
- Pioniernutzung: Es entstanden Loft-Büros, die den rohen Industrie-Charakter (roter Backstein, hohe Decken) bewahrte und für gewerbliche Mieter nutzbar machte.
- Denkmalschutz: Die Eintragung in die Denkmalliste (1996) zementierte den Erhalt der Fassade und der prägnanten Baustruktur während dieser Umbauphase (das Gebäude erlebte ab 2008 eine erneute Umbauphase und wurde dann teilweise aufgestockt).
Dieser Umbau war Teil einer größeren Bewegung in Hamburg-Bahrenfeld, bei der alte Industrieanlagen (wie auch die nahen Zeisehallen oder das Gaswerk) in Loft-Büros umgewandelt wurden.
Ich blieb auch nach dem Verkauf meiner letzten MACup-Anteile im Jahr 2000 noch zwei Jahre als Unternehmensberater und Business-Angel Mieter im Gebäude.
Learnings:
- 1Vor lauter Designbegeisterung sollte man im Loftbüro nicht die Funktionalität vergessen: Das betraf hier in erster Linie die Akkustik. Betondecken, Glastrennwände, Backsteinmauern und Parkettboden sahen zwar ultraschick aus – brachten aber die Kollegen am Anfang an die Grenze des Wahnsinns. Jedes Tastaturklappern, jedes Telefonat und jeder Ausruf (z.B. ein lautes "Mist", wenn ein ungesichertes Dokument abstürzte), hallte sekundenlang durch den Raum und wurde eher verstärkt als gedämpft. Maßnahmen wie schallreduzierende Textilsegel, abgeteilte, saunaähnliche Besprechungszimmer und "Telefonzellen" brachten halbwegs Linderung. Eine saubere Akkustikplanung vor dem Ausbau wäre besser gewesen.
- 2Sieh (abgeteilte) Entspannungs- und Ruheflächen vor. Wenn eine ganze Etage als Großraumbüro fungiert – wohin soll man sich dann mal zurückziehen und auf sich selbst besinnen?
- 3(Großformatige) Kunst wertet jedes Loft auf. Und selbst wenn die Arbeiten vielleicht nicht jedem gefallen, unerstützen sie doch die Identitätsbildung.
- 4Wenn Du Dich von einem Unternehmen trennst, trenne Dich auch von diesem Standort, selbst wenn Du ihn noch so sehr magst. Sonst wirkst Du schnell wie ein Seniorchef, der seinen Laden an einen Nachfolger übergeben hat, aber nicht recht loslassen kann.
Stilwerk, Große Elbstraße

Arbeiten im Industriedenkmal 5 Stilwerk Hamburg
- 1Suche nach symbiotischen Umfeldern – wenn jeder um Dich herum „Design", „Medien" oder „Software" atmet, vibriert die Luft. Das gibt Energie!
- 2Auch kleine Fenster haben im Loft ihre Vorteile. In der dunklen Jahreszeit geht zwar früher das Licht an – aber die Sommerhitze bleibt hinter dicken Mauern länger draußen.
Reclam Verlagsgebäude (Reclam Carree), Leipzig

Arbeiten im Industriedenkmal 6 Reclam Carree Leipzig
Vielleicht war ich kein sooo guter Business-Angel – denn eigene unternehmerische Tätigkeit reizte mich mehr. Als mir Wolfgang Zehrt seine Idee für directnews präsentierte, formte sich schon bald die Vision für ein Medienunternehmen neuen Typs.
Wir beschlossen, keine „Anfängerfehler" zu machen und das Unternehmen nicht einfach dort zu gründen, wo wir gerade wohnen, sondern an dem Standort, der uns am geeigneten erschien. Die Wahl fiel auf Leipzig – alte Medienstadt, aktive journalistische Fakultät, gute Infrastruktur von Unternehmensförderung bis Mietflächen.
In der Tat war der (Miet-)Immobilienmarkt für Interessenten in Leipzig Anfang der Jahrtausendwende ein kleines El Dorado. Man hatte definitiv die Qual der Wahl.
Diese fiel schließlich auf das Reclam Carree, in den Jahren 1887-1905 als Druckerei- und Verlagsgebäude nach Plänen von Max Bösenberg für den Verleger Anton-Philipp Reclam erbaut. Es gilt, Sie ahnen es, als „Glanzstück der Gründerzeit-Architektur in Leipzig", was sich leider vor allem auf das imposante äußere Erscheinungsbild, weniger auf die eher neutrale Gestaltung der Innenflächen bezieht.
Im Zuge der Fusion mit dem norwegischen Unternehmen Hugin schied ich aus der aktiven Tätigkeit im Unternehmen aus, blieb jedoch bis zum Verkauf an die Euronext Gesellschafter.
Meine „Arbeit im Industriedenkmal" endete hier (zumindest, bis ich noch fehlende Infomationen zu einem späteren Firmensitz adäquat recherchieren kann). Zwar bezog ich noch ein Büro in einem wunderschönen Barock-Denkmal, „Zehmisch's Haus". Doch das geht nicht wirklich als Industriedenkmal durch...
Learnings:
Vielleicht war ich kein sooo guter Business-Angel – denn eigene unternehmerische Tätigkeit reizte mich mehr. Als mir Wolfgang Zehrt seine Idee für directnews präsentierte, formte sich schon bald die Vision für ein Medienunternehmen neuen Typs.
Wir beschlossen, keine „Anfängerfehler" zu machen und das Unternehmen nicht einfach dort zu gründen, wo wir gerade wohnen, sondern an dem Standort, der uns am geeigneten erschien. Die Wahl fiel auf Leipzig – alte Medienstadt, aktive journalistische Fakultät, gute Infrastruktur von Unternehmensförderung bis Mietflächen.
In der Tat war der (Miet-)Immobilienmarkt für Interessenten in Leipzig Anfang der Jahrtausendwende ein kleines El Dorado. Man hatte definitiv die Qual der Wahl.
Diese fiel schließlich auf das Reclam Carree, in den Jahren 1887-1905 als Druckerei- und Verlagsgebäude nach Plänen von Max Bösenberg für den Verleger Anton-Philipp Reclam erbaut. Es gilt, Sie ahnen es, als „Glanzstück der Gründerzeit-Architektur in Leipzig", was sich leider vor allem auf das imposante äußere Erscheinungsbild, weniger auf die eher neutrale Gestaltung der Innenflächen bezieht.
Im Zuge der Fusion mit dem norwegischen Unternehmen Hugin schied ich aus der aktiven Tätigkeit im Unternehmen aus, blieb jedoch bis zum Verkauf an die Euronext Gesellschafter.
Meine „Arbeit im Industriedenkmal" endete hier (zumindest, bis ich noch fehlende Infomationen zu einem späteren Firmensitz adäquat recherchieren kann). Zwar bezog ich noch ein Büro in einem wunderschönen Barock-Denkmal, „Zehmisch's Haus". Doch das geht nicht wirklich als Industriedenkmal durch...
Learnings:
- 1Mir persönlich fehlt bei Industriedenkmälern, die im Inneren eher auf moderne Mainstreamnutzung optimiert wurden, eine wichtige Dimension. Bei Annäherung an das imposante Gebäude freut man sich, ins Büro zu kommen – doch ist es irgendwie schade, wenn es von innen wirkt wie jedes andere.
- 2Andererseits hat moderne Ausstattung von zeitgemäßer Energietechnik über Fahrstuhl über IT-Struktur bis zu modernen Lichtkonzepten auch Ihre Vorteile, die oft auch laufende Kosten senken.
Teil 2 meines Loftlebens: Wohnen im Industriedenkmal
In Sachen Arbeiten im Industriedenkmal, so meine ich, ist mein Trackrecord schon recht beachtlich. Verglichen damit sind meine Jahre unter der Überschrift "Wohnen im Industriedenkmal" fast schon überschaubar, wenn auch nicht weniger lang. Sie umfassen zwei, sehr unterschiedliche Stationen.
Elsterlofts / Sächsische Wollgarnfabrik Tittel & Krüger, Leipzig

Leben im Industriedenkmal 1 Elsterlofts Leipzig
Frisch in Leipzig angekommen (im eher trostlosen Februar), wurde mir sehr schnell klar, dass Hotels keine Wohnform für mich sind – heiße ja nicht Udo. Also suchte ich nach einer besseren, temporären Unterkunft – und wurde fündig in den Elsterlofts, der ehemaligen Sächsischen Wollgarnfabrik Tittel & Krüger.
Mit über 100.000 Quadratmetern Geschossfläche gilt sie heute als Deutschlands größtes Industriedenkmal und Europas größter Gebäudekomplex der Gründerzeit. Die Größe des gesamten Areals beläuft sich auf 50.000 Quadratmeter beidseits der Elster.
Heute werden die Elsterlofts als Wohngebäude mit Lofteinheiten zum Wohnen auf Zeit genutzt. Die Gebäudebrücke über die Weiße Elster verbindet im zweiten und dritten Obergeschoss das Gebäude an der Nonnenstraße mit dem Gebäude in der Holbeinstraße, der ebenfalls zu Loftwohnungen umgebaut wurde.
Die JUS AG, die das Objekt zu Loftwohnungen umgebaut hatte, erhielt von der Deutsche Bank Bauspar AG bei einem Wettbewerb für das Thema Umbau und Umnutzung von industriellem, historischen Baubestand zu Wohnen, Arbeit und Freizeit den zweiten Preis. 2006 gewannen die Elsterlofts als Teil des „Quartier an der Weißen Elster/am Karl-Heine-Kanal in Leipzig“ den dritten Preis des DIFA-Awards 2006.
Soweit die Fakten. Und ich? Fühlte mich, wie ich im Beitrag „Loftmetropole Leipzig" bereits ausführte, durchaus wohl – mit kleinen Abstrichen. Im Inneren fehlte mir auch hier ein Stückweit die Materialprösenz, das Authentische, das bei mir zum Wohnen im Industriedenkmal einfach dazu gehört. Anderseits verstehe ich, dass bei der marktgerechten Entwicklung eine 100.000 qm Areals Kompromisse unumgänglich, was schreibe ich, „alternativlos" sind.
Learnings:
- 1Probiere es einfach! Nicht immer passen alle Aspekte eines von Dir gefundenen Lofts zu 100% zu Deinen Vorstellungen. Dann versuche, auszuprobieren – finde eine Lösung für ein paar Stunden, für eine Nacht, für ein paar Wochen. Bei einem Boardinghouse gewiss kein Problem, aber auch in anderen Fällen findet sich oft eine Lösung.
- 2Wie bei jeder Wohnung ist auch das Wohnen im Industriedenkmal eine Summe unterschiedlicher Erfahrungen: Lage und Umfeld, Zuschnitt und Entwicklungsmöglichkeiten, Ausstattung und Sanierungsqualität, nicht zuletzt Atmosphäre und Einzigartigkeit. Kommst Du in dem Loft da an, wo Du hin willst?
Weizenmühle Knauthain, Leipzig-Knauthain

Leben im Industriedenkmal 2 Weizenmühle Knauthain
Längste, und mit fast 20 Jahren auch längste Station meiner persönlichen Loftgeschichte, ist die Weizenmühle Knauthain.
Obwohl es hier mehr als zu jeder Station zu sagen gäbe – an Dingen, die bis heute Bestand haben und Orientierung bieten, bis zu Aspekten, über die ich heute etwas anders denke – füge ich diesem Kapitel keine weiteren Anmerkungen zum „Leben im Industriedenkmal" hinzu – letztlich handelt diese ganze Website davon. Viel Spaß beim weiteren Stöbern!
