Jede Reise, so sagt man, beginnt mit einem ersten Schritt. Der Weg von der fixen Idee „Wohnen in der Weizenmühle“ bis zum Einzug wäre von ein oder zwei Normalverdienern nie zu stemmen gewesen – das war von Anfang an klar. Doch wie findet man Mitstreiter für Lofts in Leipzig, bei dem nahezu alle Details völlig in den Sternen stehen? Wie wir unser „Loftmarketing“ entwickelt haben.
Recherchen, Recherchen
Ein „Selbstnutzer“-Projekt?
Denn eins war von Anfang an klar: Allein würde ein so großes Projekt nie zu realisieren sein. Zwar gab es in Leipzig (von der Stadt unterstützte) Selbstnutzer-Projekte, die Sanierungswillige zusammenführten. Die Stadt gab Beratung und Hilfe bei Auswahl, Ankauf von Immobilien sowie der späteren Sanierung. Doch das Projekt war auf innenstadtnahe Ortsteile ausgerichtet. Wir würden, so beschied man uns, auch gern eine einmalige Beratung bekommen, aber eigentlich stünden Randbezirke wie Knauthain nicht im Fokus dieses Förderprojekts. Es blieb dabei: Wir mussten selbst aktiv werden, um Mitstreiter zu finden, wollten wir jemals in der Weizenmühle wohnen. Wir mussten ein passendes Loftmarketing konzipieren und herausarbeiten, was Wohnen im Loft so besonders macht.
„Wir möchten einen Traum mit Ihnen teilen.“
Wie begeistert man für ein Bauwerk, das aus Sicht vieler doch eher eine Ruine ist? Zum einen, so dachten wir uns, in dem man es stilisiert, etwas verfremdet, und so von Anfang an deutlich macht, dass dqs Objekt der Begierde nicht ein heruntergekommener Backsteinbau mit eingeschlagenen Fenster ist, sondern ein zukünftiger Wohntraum. Deshalb trafen wie die ersten Interessenten auch nicht direkt an der Mühle, sondern am Reitstall, um auf dem zehnminütigen Fußweg zur Mühle auf diesen Traum einzustimmen. Und der lebte zum einen vom Leben im Loft, zum anderen aber auch von der einzigartigen Umgebung – Natur pur, mit einmaligen Möglichkeiten für Sport und Erholung.
Zum anderen setzten wir von Anfang an auf Sabines Motto „Alles, was man sich vorstellen kann, wird wirklich“ (frei nach Picasso: „Alles, was man sich vorstellen kann, ist real“). Und skizzierten – ohne auch nur mit Behörden oder Architekten gesprochen zu haben, erste Ideen einer „umgebauten" Mühle. Kurz: Wir bemühten uns, den Traum einerseits vom gegenwärtigen Zustand zu abstrahieren, andererseits in Bildern greifbar zu machen.
Das reichte von einer ersten Idee mit modernem, aufgesetztem Penthouse und großzügigen Balkonen bis hin zu einem massiv begrünten Bauwerk mit Pferden im Garten. Sabines Traum von Mitmüllern, die ebenfalls reitbegeistert, vielleicht sogar Pferdebesitzer waren, ging übrigens leider nicht in Erfüllung.
…und rede darüber
Kern unseres Loftmarketings waren Anzeigen, Plakate im Umfeld (siehe unten), Mund-zu-Mund-Propaganda, eine kleine Broschüre sowie etliche Interessententreffen direkt an der Mühle. Darüber gelang es überraschend schnell, drei „mitstreitende"-Parteien zu finden. Und, noch besser: auch für die ehemalige Pauli-Villa und einen Bauplatz am Ort des bisherigen Lagerschuppens links am Mühlenhof fanden sich nach wenigen Monaten Interessenten, so dass der Verkäufer recht zeitnah fast das gesamte Ensemble an den Mann bringen konnte. Zwar waren noch diverse Aspekte zu klären – von Altlasten über Finanzierung bis zum Denkmalsschutz. Doch nun waren wir ein Team und standen nicht mehr allein vor dieser großen Aufgabe.
Fazit
Wir konnten niemanden für das Projekt begeistern, der den Ist-Zustand (über-)bewertete. Doch diejenigen, die unsere Vision teilten, waren schnell Feuer und Flamme – und gingen auch mit, wenn die Vision durch bauliche Gegebenheiten, Auflagen des Denkmalschutzes oder schlicht das Budget ein klein wenig anders ausfiel, als ursprünglich erträumt.
Hinweis: In Kürze wird eine Loftwohnung in der Weizenmühle Leipzig angeboten – mehr Informationen hier.
