Gelebte Nachbarschaft

Nicht nur die Geschichte und die Architektur der Weizenmühle sind etwas ganz Besonderes. Einer der größten Werte des Lebens an der Mühle ist die Nachbarschaft. Immer da, wenn man sie braucht, und (fast) immer bereit für ein schönes Gemeinschaftserlebnis von Adventsumtrunk bis Gartenparty.

Als Erwerber- und Baugemeinschaft der Weizenmühle Knauthain hatten „die Müller“ sich viel vorgenommen. Das Gebäude hatte sich nach der Betriebsschließung in einen „Lost Place“ verwandelt. Nun sollten dort lebenswerte Wohnungen entstehen. Die Müller mussten sich über viele Monate hinweg treffen, um komplizierte Dinge zu besprechen und wichtige Beschlüsse zu fassen. Sie reichten von Deckenaufbau bis Heizanlage, von Denkmalschutz bis Gartennutzung. Oft wurden durchaus konträre Meinungen vertreten und heiß diskutiert. Am Ende aber standen immer Beschlüsse, die von allen getragen und umgesetzt wurden. 

Und so wurde aus einer Gruppe starker Individuen eine ebenso starke Hausgemeinschaft. Vom Pflanzengießen und Haustierhüten bis zur Mottoparty, vom Geburtstagsständchen bis zum Notfall... Man kann sich auf einander verlassen, ist für einander da und lebt gern das gemeinsame Mühlenleben. Manche Aktivität strahlt in die weitere Nachbarschaft hinaus, anderes ist spontanes Miteinander. Hier ein paar Beispiele.

Advent, Advent, manch Lichtlein brennt
Für die Denkmalschützer gilt die Weizenmühle mit ihrem massiven Bau und Turm als „ortsbildprägend“. Doch knapp vier Wochen pro Jahr strahlt sie weit sichtbar in ganz anderer Funktion: als Adventskalender. 
Ab 1. Dezember erstrahlen nach und nach in den dem Hof zugewandten Mühlenfenstern die Zahlen mit dem Tagesdatum, bis am Heiligenabend die 24 erstrahlt. In den ersten Jahren hing sie oben am Turm - eine recht beschwerliche Installation. Mittlerweile hat die 24 ihren Platz unter dem Glasdach am Haupteingang gefunden.
Seit über 15 Jahren leuchtet der Kalender bis zum 27. 12. in den Abendstunden - eine Tradition, an der sich alle Müller gern beteiligen und die so manchen Knauthainer zu einem kleinen Gang vor die Tür lockt.
An einem der Adventswochenenden (meist 2. oder 3. Adventssamstag) laden die Müller zudem die die direkte Nachbarschaft sowie Freunde zum Adventsumtrunk ein. So mancher Besucher steuert Gebäck oder Herzhaftes bei, um bei Glühwein, Fettbemmen, Feuertonnen und Weihnachtsmusik mit alten und neuen Nachbarn zu plauschen.
Weiße Weihnacht mit Adventskalender an der Weizenmühle Knauthain
Adventskalender an der Weizenmühle Knauthain
Adventsumtrunk an der Weizenmühle Knauthain
Lagerfeuer mit Gitarrenklängen an der Weizenmühle Knauthain
Lagerfeuerromantik jenseits des Teenie-Alters
In der Mühle wohnt so mancher Feuerteufel – vielleicht wirkt die wechselvolle Geschichte der Mühle nach… Auf dem weitläufigen Grundstück findet sich immer etwas ausgelichtetes Geäst (oder die Reste eines Weihnachtsbaumes), um im Garten ein Osterfeuer oder die Feuertonne zu entzünden. Nach und nach gesellt sich der eine oder andere Mitbewohner dazu und teilt ein Glas Bier oder Wein. Ein paar handgezupfte Gitarrenklänge entführen endgültig aus dem Alltag.
Lagerfeuer an der Weizenmühle Knauthain
Openair-Konzert an der Mühle
Mittlerweile ist neben die winterliche Tradition des Adventsumtrunks die sommerliche des Openair-Konzerts getreten. Zwei der Müller sind Teil der Band „We Go To Eleven“ und veranstalten, meist mit Support-Acts, seit 2016 ein Sommerkonzert im Mühlengarten. Unter dem Motto „Make Punkrock great again“ wird‘s schon mal laut - was auch hochbetagte Nachbarinnen nicht davon abhält, mit Freude am Event teilzunehmen. Die Konzerte sind nicht öffentlich - Nachbarschaft und Freunde erhalten eine Einladung. Und erscheinen meist schon am frühen Abend, um auf einem der bereitgestellten Grills ihre Wurst zu braten.

Openair-Konzert von We Go To Eleven an der Weizenmühle Knauthain
Openair-Konzert von We Go To Eleven an der Weizenmühle Knauthain
Party an der Weizenmühle
Heiße Wurst und coole Partys
Kulinarik spielt keine kleine Rolle an der Mühle. Vor allem in den Sommermonaten lodert oft, ob mit oder ohne Anlass, ein Grill auf. Mittsommer, Geburtstag oder einfach nur ein lauer Abend - wenn im Mühlenchat die Frage „wer hat heute Lust, zu grillen?“ auftaucht, bleibt sie selten unbeantwortet. Und wenn die Feier etwas größer ausfallen soll, dann sind an der Mühle vom Partyzelt über diverse Biertisch-Garnituren bis zu Partygeschirr und Spülmaschine im Keller beste Voraussetzungen für ein tolles Fest gegeben. Gern mit einem besonderen Motto - z.B. dem „Mühlenmaltag“. Und bei runden Geburtstagen steuert der eher berüchtigte als berühmte Mühlenchor ein eigens getextetes Ständchen bei.
Grillen an der Weizenmühle
Maltag an der Weizenmühle
Grillen an der Mühle
Passion für die Leidenschaft der Nachbarn
Aneinander Anteil zu nehmen, füreinander da zu sein, bezieht sich an der Mühle keineswegs nur auf Partyspaß und Lagerfeuer. Eins der schönsten Beispiele aus jüngerer Zeit ist die Gründung eines Verlages für Eisenbahnliteratur, dr-db.media, durch Olaf Storeck. Sowohl die Gründungsaktivitäten als auch die Buchproduktion(en) wurden und werden durch eine Vielzahl von „Müllern“ unterstützt (die Weizenmühle war halt schon immer ein Ort der Innovation). Dass das Erscheinen des ersten Buches im Rahmen eines „Abends für die Unterstützer“ gefeiert wurde, versteht sich von selbst…
Fast alle Nachbarn aus der Weizenmühle haben auf die eine oder andere Weise Olaf Storeck bei Verlagsgründung und erstem Buchprojekt unterstützt.

Die Müller - immer alle mit Essen, Trinken, Feiern und Feuern beschäftigt? Keineswegs - Gruppenzwang gibt es (vielleicht mit Ausnahme des Adventskalenders) eher nicht. Aber eine Gruppe aus Individuen, die sich und ihre Knauthainer Nachbarschaft schätzen!

Hinweis: In Kürze wird eine Loftwohnung in der Weizenmühle Leipzig angeboten – mehr Informationen hier.

Sylvester an der Weizenmühle Knauthain