Die Leipziger Seenplatte – vom Braunkohletagebau zum Freizeitparadies

Wer heute im Leipziger Süden unterwegs ist, findet eine Landschaft, die kaum noch etwas mit ihrer Vergangenheit gemein hat: glitzernde Seen, Segelboote, lange Radwege und Strände mit feinem Sand. Doch diese Idylle ist erstaunlich jung. Noch vor wenigen Jahrzehnten prägten riesige Braunkohletagebaue das Gebiet südlich von Leipzig. Aus einer industriell geprägten Landschaft ist innerhalb einer Generation die Leipziger Seenplatte entstanden – eines der größten Landschaftsumbauprojekte Europas.
Braunkohleförderung

Braunkohle als prägende Industrie der Region

Über mehr als ein Jahrhundert wurde im Leipziger Süden Braunkohle abgebaut. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Abbau massiv zu, denn Braunkohle war in der DDR ein zentraler Energieträger. Gigantische Tagebaue fraßen sich durch die Landschaft, Dörfer wurden umgesiedelt, und ganze Landstriche verschwanden.


Wo heute Wasserflächen liegen, befanden sich damals Förderbänder, Bagger und Abraumhalden. Die Landschaft war laut, staubig und industriell geprägt. Für die Menschen der Region bedeutete der Bergbau zwar Arbeitsplätze, zugleich hinterließ er jedoch massive Eingriffe in Natur und Siedlungsstruktur.

Mit dem Ende der DDR und dem Rückgang der Braunkohleverstromung begann in den 1990er Jahren eine neue Phase: Die stillgelegten Tagebaue mussten rekultiviert werden.

Der Beginn eines gewaltigen Landschaftsprojekts

Nach dem Ende des Bergbaus standen riesige Krater in der Landschaft – teilweise mehrere Kilometer breit und bis zu hundert Meter tief. Statt diese Flächen einfach sich selbst zu überlassen, entschieden sich Planer und Behörden für eine ambitionierte Lösung: Die Tagebaue sollten geflutet und zu Seen entwickelt werden.

So begann eines der größten Landschaftsumbauprojekte Europas. Über Jahre hinweg wurden Tagebaurestlöcher stabilisiert, Böschungen gesichert und Flächen rekultiviert. 

Anschließend begann die kontrollierte Flutung – teils über Grundwasser, teils über Flüsse wie die Weiße Elster oder die Pleiße.

Nach und nach entstanden neue Seen: der Cospudener See, der Zwenkauer See, der Markkleeberger See, der Störmthaler See und viele weitere. Zusammen bilden sie heute die sogenannte Leipziger Seenplatte, touristisch auch als "Leipziger Neuseenland" benannt.

Vom Industriegebiet zum Freizeitparadies

Heute ist die Leipziger Seenplatte ein beliebtes Naherholungsgebiet – nicht nur für Leipzigerinnen und Leipziger, sondern auch für Besucher aus ganz Deutschland.

  • Besonders bekannt ist der "Haussee" unserer Mühle, der Cospudener See, von vielen schlicht „Cossi“ genannt. Hinweis: In Kürze wird eine Loftwohnung in der Weizenmühle Leipzig angeboten – mehr Informationen hier. Mit seinen langen Sandstränden (vor allem am Nordstrand), der Hafenanlage Zörbigker mit der Gastromeile "Pier 1"und der beliebten Uferpromenade von Markkleeberg bis zum Nordstrand ist er an warmen Sommertagen ein Magnet für Badegäste, Spaziergänger und Radfahrer. Wer eher die Nähe zu touristischen Angeboten sucht, ist an Nordstrand und im Umfeld von Pier 1 gut aufgehoben. Wer hingegen eher auf ein schattiges (und oft auch ruhigeres) Plätzchen oder nach Lust und Laune textilfreies Sonnen und Baden aus ist, wählt eher die Knauthainer Seite. Hier ist der See, getrennt durch Auwald und Elsterflutbett,  etwas weiter von den Wohngebieten entfernt.
  • Der Markkleeberger See hat sich dagegen zu einem Zentrum für Wassersport entwickelt. Hier befindet sich auch der bekannte Kanupark Markkleeberg, eine Wildwasseranlage, die sogar für internationale Wettkämpfe genutzt wird, aber auch ein lohnendes Freizeitziel darstellt (siehe unseren Beitrag "Erlebnisbericht: Individuelles Rafting im Kanupark Markkleeberg")
  • Der Zwenkauer See, der größte See der Region, bietet eine weitläufige Landschaft mit Hafen, Strandbereichen und beeindruckenden Blicken über die neue Seenlandschaft.

Rund um die Seen ist ein dichtes Netz aus Rad- und Wanderwegen entstanden. Viele Strecken verbinden mehrere Seen miteinander, sodass sich lange Touren durch die gesamte Region unternehmen lassen.

Die Natur kehrt zurück

Neben Freizeit und Tourismus hat sich auch die Natur viele Flächen zurückerobert. Schilfzonen, neue Wälder und Feuchtgebiete bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten – auch während des Vogelzugs, bei dem Tausende von Wildgänsen auf dem weiteren Weg nach Süden für ein paar Wochen in der Umgebung der Seen Station machen.

Heute lassen sich rund um die Seen wieder seltene Vogelarten beobachten, darunter Kormorane, Seeadler oder Eisvögel. Auch Biber haben sich in einigen Bereichen (so an der Weißen Elster, nahe des Reitstalls) angesiedelt. Und der Auwald bietet jede Menge Platz für reichhaltige Bärlauch-Vorkommen (siehe auch unser Beitrag "Frühling im Auwald: Auf Bärlauchsafari zwischen Knauthain und Knautkleeberg".

Die Region zeigt eindrucksvoll, wie sich Natur nach massiven Eingriffen wieder entwickeln kann.

Wildgänse-Rastgebiet: die Leipziger Seenplatte

Wildgänse-Rastgebiet: die Leipziger Seenplatte

Weiße Elster – Raum für Bieber und Bärlauch

Weiße Elster – Raum für Bieber und Bärlauch

Ein Beispiel für gelungenen Strukturwandel

Die Leipziger Seenplatte steht heute auch symbolisch für den Strukturwandel in ehemaligen Bergbauregionen. Was früher eine stark belastete Industrielandschaft war, hat sich zu einem attraktiven Lebens- und Freizeitraum entwickelt.

Für Leipzig und das Umland bedeutet dies einen enormen Gewinn an Lebensqualität. Gleichzeitig entstehen neue wirtschaftliche Perspektiven im Tourismus, im Wassersport und in der Freizeitwirtschaft – ein Paradebeispiel dafür: der Kanupark-Markkleeberg.

Von der Braunkohle zum Freizeitspot lr

Von der Braunkohle zum Freizeit-Spot


Die Seenplatte vor der Haustür

Für Bewohner des Leipziger Südens gehören die Seen inzwischen selbstverständlich zum Alltag. Ob eine Radtour am Wochenende, ein Abendspaziergang am Wasser oder ein Sprung ins kühle Nass im Sommer – die Seen sind schnell erreichbar und bieten eine beeindruckende Vielfalt.

Wer im Leipziger Süden lebt oder hier zu Gast ist, hat damit eine Landschaft vor der Haustür, die es so in dieser Form noch vor wenigen Jahrzehnten gar nicht gab.

Der Cossi – auch im Winter einen Spaziergang wert

Der Cossi – auch im Winter einen Spaziergang wert

Die Leipziger Seenplatte zeigt eindrucksvoll, wie aus einer industriell geprägten Region ein neues Stück Natur entstehen kann – und wie sich Geschichte, Landschaft und Lebensqualität auf überraschende Weise miteinander verbinden.

Werfen Sie doch auch einen Blick auf…

Wohnen im Leipziger Süden

Der Leipziger Süden – naturnahes Wohnen in gefragten Stadtteilen Wohnen im Leipziger Süden wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer gefragter. Kein Wunder: Der hohe Freizeitwert durch Seen und Auwald trifft [...]

Ausflugstipps

Ausflugstipps in der Region Leipzig Zwar sind Ausflugstipps in der Region Leipzig nicht unser thematischer Schwerpunkt – aber in loser Folg möchten wir doch Anregungen geben für Landpartien, kulturelle Highlights [...]

Leipzig und die Leipziger Seenregion

Ausflugs- und Aktivitätentipps in Leipzig und für die Leipziger Seenregion Leipzig – das ist eine vielfältige und lebendige Stadt voller Kultur, Kreativität, Geschichte und Zeitgeist. Umschlossen wird die Stadt von [...]

Knauthain-Knautkleeberg

Ein Quartier, das sich rasant entwickelt. Für das Wachstum von Knauthain-Knautkleeberg gibt es viele gute Gründe: die Nähe zum Leipziger Auwald und zum Cospudener See, der hohe Freizeitwert und nicht [...]